Über uns
Stand 02/2014

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◊ Gründung und Ziel
Das Beratungs- und Schulungsinstitut für Tierschutz bei Transport und Schlachtung[1] (bsi Schwarzenbek) wurde 1993 auf Initiative von Prof. Dr. G. von Mickwitz gegründet. Unser Ziel ist es, auf den der Öffentlichkeit schwer zugänglichen Produktionsstufen Transport und Schlachtung sowie bei der Tötung die Grundlagen für einen schonenden Umgang mit den Tieren zu erarbeiten. Unsere Erkenntnisse wollen wir den betroffenen Praktikern vermitteln, um die Tierschutzpraxis bei der Fleischproduktion an die gesellschaftlichen Anforderungen eines ethisch, ökologisch und ökonomisch vertretbaren Wirtschaftens zu adaptieren.
Mehr Tierschutz bedeutet höhere Produktqualität.

◊ Struktur und Organisation
Das Institut mit Sitz in Schwarzenbek, Schleswig-Holstein, ist personell mit vier Tierärzten  besetzt. Organisatorisch war es bis 1997 Bestandteil der Geldgeberin und Initiatorin, der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz, Berlin und stand über den Sitz in der Tierärztlichen Ambulanz Schwarzenbek des Fachbereichs Veterinärmedizin in enger Verbindung zur Freien Universität Berlin. Die satzungsgemäß auf eine Anschubfinanzierung begrenzte Förderung durch die Stiftung lief im Sommer 1997 aus, und die Mitarbeiter Dr. Karen von Holleben und Dr. Martin von Wenzlawowicz führen das Institut seitdem in Form einer privatrechtlichen Organisation. Das Team vervollständigt die Kollegin Claudia Meier. Personal- und Sachmittel werden projektgebunden erwirtschaftet. Den Hauptanteil der Einnahmen bilden Honorare für die Beratungs- und Schulungstätigkeit sowie Forschung im Auftrag der EU, des Bundes oder der Industrie. Die Tierärzte arbeiten eigenverantwortlich und nicht weisungsgebunden. Es wird großer Wert auf die fachliche Unabhängigkeit gelegt.

◊ Arbeitsgebiete
Wir bearbeiten Fragen des angewandten Tierschutzes bei landwirtschaftlichen Nutztieren beim Umgang mit den Tieren, beim Tiertransport, bei der Schlachtung und bei der Tötung im Seuchenfall.
Hierzu bieten wir für Unternehmen, Behörden, Verbände und andere interessierte Partner spezifische Leistungen:

- Fortbildungen, Schulungen und Prüfungen,
- Beratung, Fachinformationen, Gute Praxis, Bewährte Verfahrensweisen,
- Analysen des Betriebsablaufes, Evaluierung von Neuentwicklungen,
- Angewandte Forschung,
- Maßnahmen zur Qualitätssicherung.

In enger Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und praxisorientierten Institutionen im In- und Ausland erarbeiten wir den Stand des Wissens und der Technik und verbreiten die jeweils aktuellen Erkenntnisse zu tierschutzrelevanten Belastungen, z.B. auf Schulungen, in Leitfäden für bewährte Verfahrensweisen, bei der Beratung zu Rechtsnormen oder bei der Bewertung von Betäubungs- und Tötungsmethoden und Entwicklung entsprechender Anlagen. Gleichermaßen versuchen wir sachliche Argumente in die oft polarisierte Diskussion der Öffentlichkeit einzubringen.

Praxisorientierte Beratung von Betrieben: Über 180 Schlachtbetriebe in Deutschland und im europäischen Ausland, vereinzelt auch in Übersee haben wir mittlerweile besucht und beraten. Dabei standen Analysen des Betriebsablaufes im Hinblick auf den Tierschutz und Untersuchungen zur Erfassung der Schlachtkondition und der Fleischqualität im Vordergrund. Lösungen für eine tierschutzgerechte Gestaltung des Lebendtierbereichs und Voraussetzungen für eine schonende Betäubung wurden erarbeitet und Kriterien für die Überprüfung in der Praxis erstellt. Beispielhaft seien ein paar relevante Fragen genannt:
Was sind die Anforderungen an einen tierschutzgerechten Wartestall vor dem Schlachten?
Wie muss der Bereich des Zutriebs zur Betäubung aussehen, damit die Tiere selbstständig vorwärtsgehen?
Welches Betäubungssystem ist für den jeweiligen Betrieb optimal und welche Anforderungen muss dieses im Detail erfüllen?

Entwicklung von Anlagen und Geräten: Wir wirken mit Nachdruck darauf hin, dass Erkenntnisse zum Verhalten und zur Physiologie der Tiere bei der Planung und Konzeption von Anlagen und Geräten mehr Berücksichtigung finden. So haben wir an verschiedenen Entwicklungen mitgearbeitet, z.B. an einer Anlage zur stressfreien Fixierung von Schlachtschweinen zur elektrischen Betäubung, an einem Mess- und Aufzeichnungsgerät zur Identifizierung von fehlerhaften Stromverläufen bei der elektrischen Betäubung, mit dem Fehlbetäubungen vermieden werden können, und an einem Gerät zur tierschutzgerechten elektrischen Betäubung, bei dessen Entwicklung auch auf die Erzielung hoher Fleischqualität Wert gelegt wurde. Herstellern von Tiertransportfahrzeugen bieten wir Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Tierschutzstandards der Fahrzeuge an.

Forschung: Erforscht werden praxisbezogene Fragestellungen zur Verbesserung von Tierschutz und Produktqualität. Zwei EU Projekte wurden zum Umgang mit und Transport von Schweinen[2] und Rindern[3] durchgeführt, bei denen es um die Identifizierung von belastenden Faktoren und entsprechende Empfehlungen ging. Weitere vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Projekte fanden ebenfalls in enger Kooperation mit Schlachtbetrieben statt. So wurden an einem Schlachtbetrieb und bei über 100 landwirtschaftlichen Zulieferbetrieben qualitätsbeeinflussende Faktoren auf allen Produktionsstufen erfasst und einzeltierbezogen ausgewertet, mit dem Ergebnis einer kontinuierlichen Verbesserung von Tiergesundheit und Produktqualität[4] . In anderen Projekten wurden über 30 Betriebe im Hinblick auf die Effektivität der CO2-Betäubung von Schlachtschweinen überprüft, Ursachen von Fehlbetäubungen bestimmt und verbesserte Richtwerte erarbeitet[5] oder Optimierungsmöglichkeiten und Grenzen beim Zutrieb von Schweinen in eine CO2-Kombianlage untersucht[6] . Weitere Arbeiten erfolgten im Auftrag der Industrie, wie die Überprüfung der MIDAS-Schweinebetäubungsanlage an über 5000 Schweinen in Holland, Belgien und der BRD sowie die Evaluierung der Gasbetäubung oder der Hochfrequenzelektrobetäubung von Geflügel. Aktuell bearbeiten wir ein Projekt zur Möglichkeit einer tierschutzgerechten Kugelschuss-Betäubung von freilaufenden Rindern auf der Weide und ein weiteres zur Überprüfung des Eintritts des Todes bei Schlachtschweinen.

Fortbildungen, Schulungen, Vorträge: Unsere Erfahrung bildet die Grundlage praxisorientierter Fortbildungen von Tierschutzbeauftragten, Studenten, Tierärzten, Landwirten sowie transportierendem und am Schlachthof tätigem Personal. Seit 1993 haben wir 234 Betriebsschulungen durchgeführt (davon 20 für Tierschutzbeauftragte, 6 für Transportpersonal, 26 für Schlachtpersonal und Zulieferfirmen, 181 für Schlachtpersonal zur Erlangung des Sachkundenachweises und 1 für Transporteure zur Erlangung des Befähigungsnachweises für den Geflügeltransport), 491 Seminare abgehalten (davon 74 für Tierärzte, 9 für Verantwortliche an Schlachtbetrieben, 2 für Tierschutzorganisationen, 130 Komplett-Lehrgänge sowie 121 Ergänzungslehrgänge zum Sachkunde-/ Befähigungsnachweis für Tiertransporteure, 122 zum Sachkundenachweis für das Schlachten/ Töten von Tieren, 1 Fängerlehrgang Geflügel, 4 Auditorenschulungen) sowie 171 Vorträge auf Fachtagungen (davon 31 im Auftrag der EU), 124 Vorträge vor Studenten und 39 Kurzvorträge auf öffentlichen Veranstaltungen (Podiumsdiskussionen, Messen, Fernsehinterviews, Ausschüsse) gehalten (Stand Ende 2011). An der Produktion des aid-Lehrfilms “Tiertransport nicht im Akkord“ hat das bsi nicht nur das Drehbuch sondern auch die Koordination der Dreharbeiten maßgeblich bestimmt. Das Schulungskonzept des bsi wurde in einer wissenschaftlichen Untersuchung zur Öffentlichkeits- und Weiterbildungsarbeit im Tierschutz (Bhagwanani, 1995) im Vergleich einer Vielzahl von Tierschutzaktivitäten im deutschsprachigen Raum als “ausgezeichnetes Vorgehen“ bewertet und hervorgehoben.

Sachverständigenarbeit im Auftrag von Behörden, Mitwirkung in Expertengruppen:
Das bsi wird beteiligt an der Erarbeitung der nationalen und europäischen Rechtsnormen zu Transport, Schlachtung und Tötung von Nutztieren und der entsprechenden wissenschaftlichen Grundlagen (z.B. EFSA Bericht zur tierschutzgerechten Betäubung[7][7a][7b][7c][7d][7e] ). Wir arbeiten in verschiedenen nationalen und internationalen Expertengruppen mit (z.B. TVT - Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, hier Arbeitskreise „Transport“ sowie „Betäuben und Schlachten“ oder FVE - Federation of veterinarians of Europe = Dachorganisation der europäischen Tierärztekammern). Ferner sind wir an der Konzeption und Umsetzung der Befähigungs-/ Sachkundenachweise für Tiertransporteure bzw. für Schlachthofpersonal beteiligt, bei denen Deutschland innerhalb Europas eine Vorreiterrolle einnimmt. Tierärzte der überwachenden Behörden nehmen die Beratungs- und Gutachtertätigkeit aufgrund der schnellen Entwicklung des Wissensstandes auf den Spezialgebieten des bsi gerne an. Seit 1998 überprüfen wir im Auftrag der Steiermärkischen Landesregierung bereits zum 7. Mal alle steiermärkischen Schlachtbetriebe im Hinblick auf die Behandlung der Schlachttiere und diskutieren die Ergebnisse mit den jeweiligen Betriebsverantwortlichen und Amtstierärzten. Die Überprüfung von Tierschutzstandards erfolgte seit 2000 auch in anderen Österreichischen Bundesländern und wie auch in Deutschland immer mehr im Auftrag des Lebensmitteleinzelhandels.

Öffentlichkeitsarbeit und Fachinformationen: In Vorträgen und Diskussionen vor Verbrauchern sowie Artikeln in der populärwissenschaftlichen Presse vermitteln wir, wo die besonderen Belastungen bei Transport und Schlachtung liegen und welche Lösungsansätze es gibt. Durch fachliche Information versuchen wir, zur Versachlichung der in der Öffentlichkeit sehr emotional geführten Diskussion um Transporte, Schlachtung und die sog. industrielle Tierhaltung beizutragen. Ein Bespiel ist hier das Thema religiöse Schlachtung. Dazu wurde 2005 in Berlin das international besetzte Seminar „Tierschutz bei der Rituellen Schlachtung“ veranstaltet[8] . Zum selben Thema arbeiteten wir von 2006 bis 2011 im Auftrage der EU zusammen mit Veterinärmedizinern, Juristen, Religionswissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern aus 12 Ländern an den Voraussetzungen für einem unvoreingenommenen Dialog[9] und erstellten einen umfassenden Bericht zu den Tierschutzbedenken bei der religiösen Schlachtung[10] . Abschließend erwähnt sei unsere umfangreiche Sammlung an Lehr-/ Demonstrationsmaterial. Unsere Literatursammlung umfasst über 12.000 Stellen, darunter 137 eigene Veröffentlichungen.

◊ bsi Schwarzenbek (Organisation und Aktivitäten)

              Organigramm-bsi

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[1]    bis Ende 2011 Beratungs- und Schulungsinstitut für schonenden Umgang mit Zucht- und
        Schlachttieren [zurück]

[2]    Methods of improving pig welfare and meat quality by reducing stress and discomfort
        before slaughter’ (’93-’96 D, B, Dk, NL, P, I, GB) [zurück]

[3]    CATRA = Cattle Transport: Minimizing stress inducing factors on cattle during handling and
        transport to improve animal welfare and meat quality (’00-’03 D, B, S, Fin, N, E, I, Slo) [zurück]

[4]    Projekt zur integrierten Qualitätssicherung (PIQ) in der Schweineproduktion (’96-’98)
        [zurück]

[5]    Statuserhebung zur Effektivität der CO2-Betäubung von Schlachtschweinen [...]
        sowie Untersuchungen über deren Beeinflussung durch externe und interne (tierspezifische)
        Faktoren“ (’98-’00) [zurück]

[6]    Unmittelbarer Zutrieb zur CO2-Betäubung von Schlachtschweinen - Untersuchung von
        Maßnahmen zur Verbesserung des Tierschutzes und Minderung von Fleischqualitätsmängeln
        (’00-’02) [zurück]

[7]    Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit = European Food Safety Authority:
        EFSA (2004):“WELFARE ASPECTS OF ANIMAL STUNNING AND KILLING METHODS”,
        http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/doc/45.pdf [zurück]

[7a]  EFSA (2013) Scientific Opinion on monitoring procedures at slaughterhouses for bovines
        http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/doc/3460.pdf [zurück]

[7b]  EFSA (2013) Scientific Opinion on monitoring procedures at slaughterhouses for pigs
        http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/doc/3523.pdf [zurück]

[7c]   EFSA (2013) Scientific Opinion on monitoring procedures at slaughterhouses for sheep and goats
        http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/doc/3522.pdf [zurück]

[7d]  EFSA (2013) Scientific Opinion on monitoring procedures at slaughterhouses for poultry
        http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/doc/3521.pdf [zurück]

[7e]  Guidance on the assessment criteria for studies evaluating the effectiveness of stunning
        interventions regarding animal protection at the time of killing
        http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/3486.htm [zurück]

[8]    https://bib.vetmed.fu-berlin.de/resources/2848721/Tierschutz_rituelle_Schlachtung.pdf
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[9]    http://www.dialrel.eu/
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[10]  http://www.dialrel.eu/images/recommandations-de.pdf
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